Bald nachdem die "Falkenhütte"
glücklich unter Dach und Fach gebracht war, regte sich in der Skiabteilung
der Gedanke nach einer neuen, modernen Skihütte. Weit hinaus schweiften die
Pläne einzelner Mitglieder und ernstlich wurde der Vorschlag gemacht, in die
Ötztaler zu gehen und bei Obergurgl eine hochalpine Skihütte zu bauen. Der
größte
Teil steckte aber seine Ziele enger und war bestrebt, einen Platz
ausfindig zu machen, bei dem nicht nur die
Winterurlauber auf ihre Rechnung kommen sollten, sondern auch Fahrten
dorthin an Sonn- und Feiertagen für Sommerfrischler möglich sind. Nachdem die Kitzbüheler Berge durch
die glänzenden Zugverbindungen im Winter in den
Samstag/Sonntag-Tourenbereich von München einbezogen wurden, sahen sich die
Herren Außerbauer, Bürer und Fischer im Jahre 1927 dort um und fanden am
Südende des Spertentales, am Fuß des Großen Rettensteines in unmittelbarer
Nähe des Dörfchens Aschau einen Platz, der inmitten einer Reihe herrlicher
Skiberge gelegen, alle Voraussetzungen für einen Winterhüttenbau bot.
Die Skiabteilung
trat dem Vorschlag der drei Herren sofort bei, der Sektionsausschuß stimmte
zu und so konnte bereits in der Sommerhauptversammlung 1927 der Ankauf des
Bauplatzes genehmigt werden. Bald war der Bauplatz erworben und die
Vorarbeiten konnten beginnen.
Nachdem die ordentliche Hauptversammlung im Dezember 1927 den Bau der Hütte
endgültig beschlossen und den erforderlichen Kredit bewilligt hatte, wurde
alsbald an die Bauausführung geschritten.
Als Standort wurde die Talsohle (1014m) gewählt,
einmal um gleich günstige Verhältnisse für die östlich und westlich gelegenen
Höhenzüge zu gewinnen, zum anderen, um dem Skifahrer, der die umliegenden Gipfel
jeweils in einer Tagestour
erreichen kann, eine möglichst lange Abfahrt zu verschaffen. Genuß pur, bis zum
Ende der Tour direkt vor der Hütte.
Ausgehend von dem Gedanken, daß die Sonderinteressen der eigenen Sektion bei der
fortschreitenden Entwicklung der Skitouristik in den Hintergrund treten müssen,
wurde die Hütte nicht bloß für die Mitglieder der bauenden Sektion, sondern für
den allgemeinen Fremdenverkehr bestimmt. Das nötige Holz wurde noch im Herbst
1927 geschlagen. Im April 1928 erfolgte der erste Spatenstich.
Das Frühjahr brachte in Folge des schlechten Wetters nicht den erwünschten
Baufortschritt; um so besser und rascher entwickelten sich jedoch dann die
Arbeiten in den folgenden Monaten,
so daß zur Hebeweinfeier am 01.07.1928 das Haus im Rohbau eingedeckt zur
Aufnahme der Besucher dastand. Innerer Ausbau
und Einrichtung der Hütte brachten für die folgenden Monate noch eine Fülle von
Arbeit, die ziemlich reibungslos abgewickelt werden konnte, so daß es möglich
war, die Hütte programmgemäß am 01.11.1928 dem
allgemeinen Fremdenverkehr
zugänglich zu machen. Die offizielle Einweihung fand am 08./09. Dezember 1928
unter zahlreicher Beteiligung seitens der Sektionsmitglieder, der Vertreter des
Hauptausschusses
des D. und des Ö.A.V., der Münchener, Wiener und anderer Sektionen und der
einheimischen Bevölkerung statt, wobei wiederum unser alter Freund Pater Leo vom
Kloster Fiecht die kirchliche Weihe gab.
Mit der nun vollendeten Skihütte wurde dem Skilauf im Oberland eine neue,
mustergültig eingerichtete Heimstätte geschaffen.
Freilich ließ die Grenzsperre in den Jahren 1933 bis 1936 die Hütte fast völlig
vereinsamen. Der Besuch stieg erst nach der Aufhebung der Sperre wieder auf über
3.000 Übernachtungen, dann kam der Rückschlag durch den Krieg.
Das Jahr 1940/41 mit erheblichen Hochwasser-schäden im Spertental sah die
teilweise Belegung der Hütte durch die Wehrmacht und den BDM. 1941/42 wurden
Hütte und Grund mit einem Gartenzaun umgeben. Die markantesten Skirouten wurden
wieder bezeichnet. 1943/44 erforderte die vorzeitige Abnutzung der Hütte durch
Massenbelegung für vormilitärische Ausbildung eine Reihe von
Ausbesserungsarbeiten, die Winter-markierung
konnte wegen der
Einberufung des Hüttenwirtes
Hans Noichl und mangels
Einsatz nicht instand gesetzt werden. Im Herbst 1944 bezog
Generalstaatsanwalt Sotier, weil München
ausgebombt, auf der Hütte Unterkunft. Der Betreuer unserer Hütte, Baurat
Hinterberger aus Wien, setzte während seiner Tätigkeit alles daran, den Wünschen
und Nöten der Pächter Noichl gerecht zu werden und sorgte wie ein Oberländer für
unsere Hütte. Nach Rückkehr der Hütte durch den Treuhänder wurden 1956/67
namhafte Anschaffungen gemacht.
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